Einjähriges Berufkraut

Neophyten sollen aktiver bekämpft werden

5.10.2020

Einjähriges Berufkraut, Erdmandelgras oder Ambrosia heissen drei von über 50 stark invasiven Neophyten, die sich in der Schweiz ausbreiten. Mit einer Motion regen Grossräte an, die Bekämpfung im Aargau zu verstärken. Der Regierungsrat sieht ebenfalls Handlungsbedarf.

Die Grossräte Ralf Bucher, Christoph Hagenbuch und André Rotzetter fordern zusammen eine Bekämpfung der Neobiota. Neobiota ist der Sammelbegriff für Tiere (Neozoen) und Pflanzen (Neophyten), die nach der Entdeckung von Amerika 1492 nach Europa gekommen sind. Der Regierungsrat wird mit einer Motion beauftragt, die Massnahmen zur Bekämpfung der Neobiota zu verstärken und eine zentrale Anlaufstelle zu definieren.

Je länger man wartet, desto teurer wird es
Drei Departemente und sechs verschiedene Fachstellen haben mit der Umsetzung der Neobiota Bekämpfung zu tun. Die Zuständigkeiten bei Anfragen sind denn auch oft nicht klar, wissen die Motionäre aufgrund von Rückmeldungen. Je länger man mit der Bekämpfung von invasiven Organismen wartet, desto höher werden die Aufwendungen und damit die Kosten der Bekämpfung der fremdländischen Arten, welche die hiesige Biodiversität immer mehr verdrängt. Eine zentrale Anlaufstelle wäre demnach aus Sicht der Grossräte hilfreich. Dass sich rechtzeitiges, koordiniertes Bekämpfen der Neobiota lohnt, zeigt die Erfolgsgeschichte bei der Bekämpfung der Ambrosia, die stark zurückgedrängt wurde.

Freiwillige Helfer motivieren
Während der Corona-Krise hat sich weiter gezeigt, dass Personen durchaus auch freiwillig bereit sind, sich für eine sinnvolle Tätigkeit zu engagieren. Das Bekämpfen von Neobiota in einer motivierten Gruppe erachten die Motionäre als gesünder und erfüllender, als die nächsten Netflix-Serien zu konsumieren. Aus diesem Grund sollen auch neue Ansätze geprüft werden, um die Bevölkerung einzubinden und bei der gezielten Bekämpfung der Neobiota zu helfen, finden die drei Grossräte.

Regierungsrat will 1.5 Mio. einsetzen
Der Regierungsrat hat letzte Woche die Motion beantwortet und sieht den Handlungsbedarf. Er schreibt dazu: «Den Bedarf für eine Koordinationsstelle, die aufgrund ihrer Fachkompetenz und den vorhandenen Ressourcen das Neobiota-Management im Kanton gezielt fördert und bei Bedarf koordinierend unterstützt, hat der Regierungsrat erkannt. Insbesondere ist der Austausch mit den Gemeinden zu etablieren, um diese bei der Neobiota-Bekämpfung vor allem fachlich, koordinierend und mit Informationsmaterial zu unterstützen. Um breite Bevölkerungskreise zu sensibilisieren und zu motivieren, sich freiwillig um Neobiota in ihrem direkten Umfeld zu kümmern, ist insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit deutlich zu verstärken. Der Regierungsrat wird mit Entgegennahme dieser Motion den drei im Neobiota-Management involvierten Departementen den Auftrag erteilen, die Aufgaben der Koordinationsstelle festzulegen und den zusätzlichen Mittelbedarf zu prüfen.»

Die Motion wird voraussichtlich Ende Jahr im Grossen Rat behandelt.

Ralf Bucher
Geschäftsführer