Jagdverordnung: Massnahmen sind nicht zumutbar

24.06.2024

Die überarbeitete Jagdverordnung sieht vor, dass die verbreiteten 90 cm Schafnetze nicht mehr als zumutbare Verhütungsmassnahmen vor Wolfsangriffen anerkannt sind. Der BVA betont zudem in seiner Stellungnahme, dass Biberschäden, insbesondere an Drainagen, abgegolten werden müssen.

Die Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdverordnung, JSV) wurde vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) überarbeitet und zur Stellungnahme eröffnet. Der BVA hat die Gelegenheit genutzt und eine Stellungnahme eingereicht, um die Anliegen der Mittellandkantone zu verstärken.

Biberschäden müssen abgegolten werden
Die Thematik Wolf ist in aller Munde. Die Bestände nehmen exponentiell zu. Dies führt zu grossen Herausforderungen in der Alpbewirtschaftung und zu unlösbaren Problemen für die Nutztierhaltung. Im Vergleich zu den Berggebieten verzeichnete der Kanton Aargau bis jetzt nur wenige Risse von vorbeiziehenden Wölfen. Die Schäden am Kulturland, welche durch Biber und Schwarzwild verursacht werden, sind finanziell gesehen deutlich grösser. Der Biber staut Abflusskanäle von Drainagen. Durch den Rückstau werden Drainagen verstopft und versandet. Dies führt zu vernässtem und überflutetem Kulturland. Das Kulturland ist wirksam zu schützen und Kosten für die Wiederinstandsetzung von Drainagen müssen übernommen werden. Der BVA fordert weiter, dass alle Schäden durch umstürzende Bäume, aber auch Schäden durch Untergrabung von Gebäuden, Anlagen, Mobilien, Wege, Strassen und Kulturland übernommen werden.

Zumutbarkeit der Schutzmassnahmen ist nur bei besonders ertragsreichen Kulturen gegeben
Mit der Stellungnahme weist der BVA zudem darauf hin, dass die Zumutbarkeit der Schutzmassnahmen mit Elektro- und Drahtgitterzäune nur bei besonders ertragreichen Kulturen gegeben ist. Besonders ertragsreiche Kulturen haben gemäss künftiger Aargauer Regelung einen Erntewert von mehr als Fr. 6'000.-/ha. Beschädigt ein Biber eine Kultur mit weniger als Fr. 6'000.- Erntewert pro ha (z.B. Mais, Getreide etc.) soll die Entschädigung auch ohne Schutzmassnahme ausbezahlt werden.

105 cm hohe Zäune sind nicht zumutbar
Mit der überarbeiteten Jagdverordnung ist auch vorgesehen, dass künftig nur noch 105 cm hohe Zäune als zumutbare Verhütungsmassnahme für die Entschädigung von Wolfsrissen anerkannt sind. Weit verbreitet sind 90 cm Zäune. Die vorgesehene Erhöhung auf 105 cm hätte für die Aargauer Schafhalter Mehrkosten von jährlich Fr. 160'000.- zur Folge. Auch ist der Unterhalt der Netze deutlich aufwändiger. Sie kippen schneller bei Schnee und Wind. Es macht keinen Sinn, dass Investitionen in Schutzmassnahmen getätigt werden, welche höher sind, als der Schaden, der zu erwarten ist. Die Erhöhung um 15 cm bringen keinen zusätzlichen Schutz vor Wolfsangriffen. Darum sollen weiterhin 90 cm hohe Netze als zumutbare Verhütungsmassnahmen vor Wolfsangriffen anerkannt sein.

Die vollständige Stellungnahme vom BVA ist hier aufgeschaltet.

Sarah Waldvogel
Fachmitarbeiterin Standesvertretung & Bildung