Landwirtschaft ist Wirtschaften mit dem Land. Pionierarbeit, seit Urzeiten: Zuerst Stück um Stück Land urbar machen, für Gemüse, Obst, Getreide, Tierfutter. Dann dieses Land so bewirtschaften, dass die Ernährung sicher wird und immer weniger Leute sich um die Nahrungsproduktion kümmern müssen. Im Aargau gibt es heute noch einen Landwirt auf 130 Einwohner.
Der Kanton als Pionier
Bis in die 1990er Jahre haben die Aargauer Bauern und Bäuerinnen immer intensiver gearbeitet, haben die Kosten gesenkt und die Erträge zu gesteigert, wie es gesellschaftlich gefordert war. Mit Folgen für die Natur. Magerwiesen und Riede, Hecken und Hochstammobstbäume wurden rar und damit viele heimische Pflanzen und Tierarten. 1985 gab der Aargau als erster Kanton der Schweiz Gegensteuer, gewann einzelne Landwirte dafür, wertvolle natürliche Lebensräume zu erhalten und bezahlte sie dafür. Bis 2005 hat der Kanton mit Landwirten tausend Bewirtschaftungsverträge abgeschlossen, weitere folgen.
Entgelt für die 1000 Naturinseln
Die Landwirte bewirtschaften und pflegen ökologische Ausgleichsflächen, freiwillig und kontrolliert gemäss den vorgeschriebenen Richtlinien. Abgestimmt auf die Qualität dieser Naturinseln erhalten sie dafür Direktzahlungen des Bundes und kantonale Beiträge – als Entgelt für die Mehrarbeit und um den Verdienstausfall durch Minderträge auszugleichen. Grundsätzlich wollen die Bauern Nahrung produzieren und den Boden fruchtbar halten. Zusätzlich ist ihnen jetzt die Pflege der Natur wichtig geworden.
Produktionszweig „Natur“
In den vom Kanton festgelegten Aufwertungsgebieten sind für einen Teil der Aargauer Bauern die ökoflächen mit 20 Prozent der Betriebsfläche und mehr zu einem Produktionszweig Natur geworden. Sind nun diese Landwirte in einer Zeit, die viel von ökologie redet und oft dagegen handelt, die letzten von gestern oder die ersten von morgen? Antwort auf diese Frage findet, wer selbst solche Naturinseln aufsucht und ihre Wirkung beurteilt, im Jura, in der Reussebene, im Seetal oder Möhlinerfeld.
Den Lebensraum aufwerten
Kulturlandschaften mit vernetzten natürlichen Elementen bieten verschiedensten Pflanzen und Tieren Lebensraum. Die Erhaltung der Biodiversität, der natürlichen Vielfalt an Pflanzen und Tieren, liegt im globalen Interesse. Im Aargau werten die Bewirtschaftungsverträge zwischen Kanton und Landwirten zudem den Lebensraum der Menschen auf. Wer hier Erholung sucht, findet manchenorts vor der Haustür wieder buntes, natürliches Leben.